Universitätsbibliothek Salzburg

W I 193

Franz von Retz: Defensorium inviolatae perpetuaeque virginitatis castissimae genetricis Mariae; Basel, L. Ysenhut 1487/88

Der Dominikaner Franz von Retz (gest. 1427) lehrte im 15. Jh. an der Universiät Wien, im Zusammenhang mit seiner Lehrtätigkeit sind viele seiner Werke entstanden (Auslegungen des "Pater noster", des "Salve Regina", eine Darstellung der sieben Hauptsünden). Die größte Wirkung erreichte sein "Defensorium", eine Schrift zur Verteidigung der unverletzten und immerwährenden Jungfräulichkeit Marias. Unbegreifliche Vorgänge aus Mythologie und Naturgeschichte werden als Beweis heran gezogen für die ebenfalls unbegreifbare immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter.

Das Exemplar der Universitätsbibliothek stammt aus dem 1809 aufgehobenen Theatinerkloster in Salzburg.

Abbildungen:


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"Mocht Tuctia tragen wasser schwer in einem syb,

So mocht auch ein jungvrowe geberen mit keuschem lib."

 

Valerius Maximus berichtet in seinen "Facta et dicta memorabilia" von einer Priesterin der Göttin Vesta, deren Jungfräulichkeit angezweifelt wurde. Diese habe Wasser aus dem Tiber in einem Sieb bis zum Vestatempel getragen und so die Anschuldigungen zurückweisen können.

"Gebirt des gyren sy ane er, Und glaubet der heiden diß,

warumb entpfing nit ane er, Maria die jugfrouw ist."

 

Der Kirchenvater Ambrosius beschreibt in seinem Werk "Hexameron" den Geier als Geschöpf, das ohne geschlechtliche Vereinigung empfangen und Junge zur Welt bringen könne.

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"Badet sich unversert in fuwer, der wunder vogel Carist,

So entpfaht auch abe lustes stuer, ein jungfrouwe Ihesum Crist."

 

Der sagenhafte Vogel Carista sei von so kalter Substanz, dass ihm Feuer nichts anhaben könne. Deswegen sei es auch möglich, dass die Jungfrau Maria ohne Fleischeslust Christus empfangen habe.

"Mag der lewe sine kinder erquicken mit synem ruffen,

So mag auch ein jungfrauw geswinde enpfahen by des engelß grussen."

 

Isidor berichtet über den Löwen folgendes: Der Löwe ist der König aller Tiere, seine Jungen schlafen drei Tage und Nächte, bis das Gebrüll das Vaters sie zum Leben erwecke.

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"Die megtlich reynikeit mag den einhorn gefahen,

So mochte uch ein jungfrow gemeyt gottes sune entphahen."

 

Wiederum ist es Isidor, der das Einhorn beschreibt: Es sei unmöglich, ein Einhorn durch die Jagd einzufangen, nur in den Schoß einer Jungfrau bette es sein Haupt ...

Neusset der salamander das fuer fur sin spise von natur alleyn,

Mocht dan nit ane mannes stuer Maria gebern keusch und rein."

 

Plinius erwähnt in seiner Naturgeschichte auch den Salamander, er habe die Gestalt einer Eidechse, sei höchst giftig, verderbe das Wasser, aus dem er getrunken habe und ernähre sich von Feuer.

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